Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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Die alten Fernhandelsstrassen

Drabenderhöhe lag am Kreuzungspunkt zweier mittelalterlicher Fernwege – der Brüderstrasse und der Zeithstrasse, über die Handel getrieben wurde und auch als Pilgerwege benutzt wurden. Zudem befand sich der Ort direkt an der Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und der von der Familie zu Sayn von Wittgenstein regierten Reichsherrschaft Homburg. Drabenderhöhe hatte eine Zollstation und an der Kirche gab es einen Schlagbaum. Zahlreiche Drabenderhöher verdingten sich als Fuhrleute und im Ort gab es immer zahlreiche Gastwirtschaften, die weit über den Bedarf der hiesigen Bevölkerung hinaus gingen. Die erste wird schon bereits 1553 erwähnt. Auch von Salzlagern wird berichtet, wie aus der Ortsbezeichnung Im Salzrümpchen hervorgeht. Über die Strassen wurden auch die geschürften Erze und die daraus weiterverarbeiteten Produkte aus den umliegenden Bergwerken abtransportiert.

Noch heute lassen sich viele Spuren der historischen Strassen in den Wäldern finden. Erkennbar ist dies an den zahlreichen Hohlwegen und Hohlwegbündelungen, vorallem im Bereich des Heckberges, dem Löher Kopf, Immerkopf und der Hohen Warte entlang der heutigen Wanderwege.

Ausschnitt aus der Karte „Berge ducatus Marck comitatus“ von Gerard Valck und Pieter Schenk aus dem Jahre 1690.

Die Brüderstrasse

Die Brüderstrasse stellt einen Teilabschnitt einer West-Ost-Verbindung dar, die von Antwerpen über Lüttich, Aachen, Köln, Unterschbach, Overath, Federath, Drabenderhöhe, Elsenroth, Denklingen, Wildenburg, Siegen, Marburg, Leipzig, Breslau nach Krakau führte. Als Brüderstrasse wurde nur die Strecke von Köln bis ins Oberbergische Land bezeichnet. Sonst hiess sie Brabanter Strasse oder auch Siegener Landstrasse.

Dabei folgte die Strasse im Bergischen Land vorallem den Höhenzügen und hatte nur wenig Querungen durch die Täler, wie z. B. durch die Sülz oder die Agger. Die Flussläufe waren im Mittelalter noch grösstenteils feucht und stark versumpft, so dass die Täler als Verkehrswege ausschieden. Die Höhen waren durch die natürliche Entwässerung durch das Hanggefälle in der Regel trocken und passierbar. Über das Alter der Strasse kann man nur Vermutungen machen. Es ist möglich, dass sie bereits in der Antike entstand. Während der Zeit der Römer existierte bereits Bergbau am Lüderich bei Untereschbach, wie Funde aus dem Jahre 20 nach Christus belegen. Der Kupferbergbau bei Schalken lässt sich in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts zuordnen. Funde hat es auch im Bereich des Loopebaches, Bliesenbach, gegeben. Die Orte des Bergbaus liegen alle in der Nähe der Strasse, so dass es wahrscheinlich ist, dass bereits ein Verbindungsweg nach Köln bestanden haben muss. Spätestens mit der fränkischen Besiedelung des Bergischen Landes muss eine von Köln nach Siegen führende Trasse angelegt worden sein. Zu erwähnen ist die Bemühung Karls des Grossen, in seinem Reich ein einheitliches Straßensystem aufzubauen und zentral zu verwalten. Während der Sachsenkriege liess er den sogenannten westfälischen Hellweg bauen.

Brüderstrasse im Bereich „oben auf dem Löh“

Im Hochmittelalter wurde die Brüderstrasse als Handelsweg genutzt. So berichtet man 1308 über die Einfur von Waffen aus Siegen über Köln nach England, die über diese Strasse transportiert wurden. Im Homburger Grenzweistum erscheint 1464 erstmals urkundlich die Bezeichnung „die alte broeder straisse“. Den Verlauf des Weges lässt sich anhand der Mercatorkarte von 1575 als „die alde Broederstraiß“ nachvollziehen. Bereits im ausgehenden Mittelalter wurde die Brüderstrasse als „alt“ bezeichnet, was darauf hinweist, dass die Verbindung schon sehr lange bestanden haben muss. Parallel zur wirtschaftlichen Bedeutung der Strasse entwickelte sie sich zu einem international stark frequentierten Pilgerweg. Das Grab des Heiligen Lambertus in Lüttich, die berühmten Reliquien im Aachener Dom, die Gebeine der Heiligen Drei Könige in Köln und das Grab der Heiligen Elisabeth in Marburg waren wichtige Stationen auf den mittelalterlichen Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela zum Grab des Heiligen Jakobus des Älteren.

Der Name Brüderstrasse muss dann in der Neuzeit in Vergessenheit geraten sein. Nach der Reformation wandten sich viele Herrschaftshäuser mit ihren Untertanen der lutherischen und der reformierten Lehre zu, so auch grosse Teile des Herzogtums Berg, dem Gimborner Land, des Homburger Ländchen, als auch der Bereich des Fürstentums Naussau-Siegen und der Grafschaften Sayn und Wittgenstein. Pilgerfahrten wurden von der evangelischen Bevölkerung nicht mehr unternommen. Stattdessen bürgerte sich nun der Name „Cölner Strasse“ ein. Bei Büddelhagen gibt es noch den Flurnamen „Auf den zehn Viertel am Cölnweg“. Anfang des 19. Jahrhunderts verlor die Strasse immer mehr an Bedeutung. In der amtlichen Karte des Großherzogtums Berg ist sie 1810 als Fernweg schon gar nicht mehr eingezeichnet, die südlicher verlaufende Köln-Siegener-Poststrasse ist dort einzig angegeben. Sie existiert aber noch als „Landstraße“ wie der „Ocularplan der beiden Municipalitäten Wiehl und Drabenderhöhe“ aus dem Jahre 1809 zeigt. Mit dem Bau der „Cöln-Olper-Chaussee“ durch das Aggertal zwischen 1823 und 1834 wurde die Strasse nicht mehr genutzt. Heute ist die Brüderstrasse ein Wanderweg und Teil eines Pilgerweges. In der Drabenderhöher Strassenbezeichnung „Alte Kölner Strasse“ lebt die Bedeutung der Verbindung bis heute weiter.

Die Zeithstrasse

Ein hohes Alter hat auch die Zeithstrasse, einem Weg, der von Bonn über Siegburg, Seelscheid, Much, Drabenderhöhe, Ründeroth, Marienheide, Rönsahl, Halver, Breckerfeld und Hagen nach Dortmund verlief. Es ist anzunehmen, dass dieser Weg in der Zeit der Besiedelung des Bergischen Landes angelegt wurde. Wie eine Urkunde aus dem Jahre 1131 belegt, besass der St. Cassiusstift in Bonn sehr viele Kirchen im Bereich des heutigen Rhein-Sieg-Kreises, sowie im alten Oberbergischen Kreis und dem Kreis Altenkirchen. Das Stift muss auch an der Besiedelung maßgeblich beteiligt gewesen sein, zumindest hat er die kirchlichen Strukturen mitaufgebaut.

Der Name Zeithstrasse geht auf das althochdeutsche Wort „sceitila“ zurück, was für einen Scheitel oder einer Anhöhe steht. Das unterstützt auch den Verlauf der Strasse, die ebenso wie die Brüderstrasse den Höhenzügen folgt und nur im Aggertal in Ründeroth eine tiefe Talquerung überbrücken muss. Dabei überwindet sie einen Höhenunterschied von gut 360 Metern.

Die Zeithstrasse nähe der Hohen Warte

In Seelscheid existieren zwei Weiler mit dem Namen „oberste Zeith“ und „unterste Zeith“. Diese Ortschaften tragen den Namen der Zeithstrasse und sind vermutlich nach dem Bau des Weges angelegt worden. In dem Sieburger Schöffenprotokollen ist 1454 ein „Elys up der Zyt“ erwähnt. Wie die Brüderstrasse wurde auch die Zeithstrasse als Handelsweg benutzt. Auf der Mercatorkarte von 1575 ist die Verbindung als Teilstück von Drabenderhöhe nach Ründeroth deutlich erkennbar.

Der urspüngliche Verlauf im Raum Drabenderhöhe war ein anderer als heute. Von Much aus verlief die Strasse über die Bonrather Höhe, vorbei an Hündekausen durch die Strasse Im Biesengarten, weiter durch Drabenderhöhe entlang der heutigen Trasse , vor Brächen durch die Dähler Heide, dann zwischen Immerkopf und Hipperich durch die Flur „Auf der Kahrstadt“ (bereits schon 1464 als „karrestat“ erwähnt – ein Hinweis auf einen Ort, den Karren durchquerten), zum früheren Bergwerk „Alter Stollenberg“ oberhalb von Forst, durch das Waldgebiet am Ostabhang der Hohen Warte über den Brandskopf hinunter nach Ründeroth.

Als Handelstrasse muss die Zeithstrasse schon im 17., spätestens aber im 18. Jahrhundert an Bedeutung eigebüsst haben. Auf der Karte von Pieter Schenk und Gerard Valck aus dem Jahre 1690 ist der Streckenverlauf von Siegburg nach Drabenderhöhe noch eingezeichnet. In der preussischen Urkatasterkarte von 1831 erscheint der Abschnitt von Brächen nach Forst nur noch als „Forster Kirchweg“. In der preussischen Uraufnahme 1845 ist um Seelscheid noch die Zeithstrasse markiert, verläuft aber dann in verschiedenen Trassen und spart den Ort Much aus. Mitte des 19. Jahrhunderts begann man mit dem Ausbau einer „Chaussee“, einer Kunststrasse. 1854 wurde der Weg von Drabenderhöhe nach Forst und Kaltenbach fertiggestellt, 1862 die Strasse von Much nach Drabenderhöhe. Dabei hielt man sich nicht an dem ursprünglichen Streckenverlauf, sondern orientierte sich von Much nach Drabenderhöhe durch das Wahnbachtal und von Brächen bis Kaltenbach durch das westliche Hipperichgebiet. Bei der Strecke zwischen Drabenderhöhe bis kurz vor Brächen hielt man sich an der alten Trasse. Bis heute trägt diese neue Strasse von Siegburg bis Kaltenbach fast durchgehend durch alle Orte und Gemeinden den alten Namen „Zeithstrasse/Zeitstrasse“.

Der Stückweg

Der Stückweg war eine historische Querverbindung zwischen der Zeithstrasse mit Anschluss in Drabenderhöhe an die Brüderstrasse und der Heidenstrasse. Dieser Weg ist auf der 1690 erstellten Karte „Berge Ducatus Marck Comitatus“ von Gerard Valck und Pieter Schenk zu erkennen. Die Strasse führte oberhalb von Brächen durch das in den 1960er Jahren vom Munitionsdepot überbauten Gelände der Buschhardt und des Schimmelhaus über den Altenhau (heute Altenhahn) am Hundskopf vorbei zum Ort Stiefelhagen. Stiefelhagen wurde in der Neuzeit in Obersteeg umbenannt. Von Stiefelhagen ging es dann hinab nach Engelskirchen. Vermutlich führte die Trasse dann weiter über Rommersberg und Remshagen, um dann zwischen Klause und Fenke auf die Heidenstrasse zu treffen.

Der Name Stückweg bezieht sich auf auf den Flurnamen „Am Steinbrecher Kopf am Stückweg“ in der Flur Kiefhau. Diese Flur lag unmittelbar im Bereich des Schimmelhaus. Ob der Name auch in anderen Fluren so benutzt wurde ist allerdings unklar. In der alten Flur von Brächen finden sich direkt an diesem Weg die Flurbezeichnungen „Ober der Karstadt“ und „Hinten auf der Karstadt“, womit ein Ort bzw. Stätte gemeint ist, der von Fuhrkarren durchquert wurde. Ein ähnlicher Flurname findet sich auch im Bereich des Immerkopfes und Hipperich, den die Zeitstrasse durchquerte. Dies ist ein eindeutiger Hinweis, dass der Weg auch als Strasse benutzt wurde. „Stück“ ist eine alte Bezeichnung für ein Feld, Acker oder einer Parzelle.

Die Heidenstrasse wiederum ist ein mittelalterlicher Fernweg, der Köln mit Kassel verband. Im ersten Streckenverlauf von Köln über Brück, durch die Lustheide und den Königsforst bis in das in Untereschbach aufgegangene Altenbrück direkt an der Sülz war die Trasse mit der Brüderstrasse identisch. Bei Altenbrück trennten sich die beiden Strassen. Die Heidenstrasse verlief dann weiter über die Höhenzüge nach Hohkeppel, Holz, Horpe, Klause, Frielingsdorf, Scheel, Oberlichtinghagen nach Marienheide. Von Marienheide führte die Heidenstrasse weiter nach Meinerzhagen über das Ebbegebirge nach Attendorn. Die Strasse verband dann Attendorn, Schmallenberg und Winterberg mit Kassel als Verkehrsknotenpunkt, von wo es dann weitere Verbindungen Richtung Osten nach Leipzig und Breslau, Richtung Süden nach Fulda und Würzburg und Richtung Süden nach Paderborn und Hannover gab.


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