Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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Im Kretsch

Kretsch ist ein Ortsteil von Scheidt und umfasst das Gebiet im Kreuzungsbereich der Alten Kölner Strasse und der Zeithstrasse. Die andere Seite der Zeithstrasse, sowie das ehemalige Gelände der Raiffeisengenossenschaft (heute Firma Trömpert) wurde als „Auf der Kretschwiese“ bezeichnet. In einer Steuerliste, den sogenannten Perd- und Schüppendiensten im Amt Windeck aus dem Jahre 1559 wird Kretsch erstmals mit Petter im Kretze urkundlich als Ortsteil von Scheidt erwähnt. Die Bedeutung des Ortsnamens kann man einerseits aus dem mittelhochdeutschen Begriff „kretze“ herleiten. Kretze ist ein Berufsübernahme für einen Tragkorbmacher, „Kretschmar“ ist ostmitteldeutschen Ursprungs für einen Schankwirt. Laut mündlicher Überlieferung soll es im Kretsch mit dem „steinernen Tisch“ eine umfangreiche Fuhrmannskneipe gegeben haben. Dies ist durchaus denkbar, da sich Kretsch direkt an der Grenze zur Reichsherrschaft Homburg befand und in Drabenderhöhe eine Zollstätte eingerichtet war. Fuhrleute verkehrten damals zwischen Köln und Siegen und machten häufig Halt in Drabenderhöhe. Allerdings konnten sich im Drabenderhöher Kirchenbuch für das 18. Jahrhundert keine Schankwirte für diesen Bereich ermitteln. Die Überlieferung müsste demnach schon sehr alt sein. Andererseits lässt eine Deutung für Kretsch auch noch eine andere Möglichkeit zu. Kretz kann auch für Kreuz stehen, denn der Ortsteil befindet sich genau am Kreuzungspunkt der beiden mittelalterlichen Fernhandelswege der Brüderstrasse und der Zeithstrasse. Auf der Karte von Arnold Mercator aus dem Jahre 1575 wird zwar die Ortsbezeichnung nicht erwähnt, allerdings ist auf der bergischen Seite genau ein Haus eingezeichnet. Vermutlich handelte es sich dabei um den Vorgängerbau des späteren im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gasthof Müllenbach.

Ortsteil Kretsch mit den Häusern Klein, Nohl und Thönes, 1915

Die ersten namentlich bekannten Personen, die dort gewohnt haben, waren 1651 und 1672 Severin und Greta Schmidt. In der Personaufnahme von Pastor Haas 1675 lebt dort die Familie des Johannes Velder. 1705 heiratet der aus Dreisbach (Kirchspiel Wiehl) stammende Nikolaus Nohl Johannes Tochter Anna Margareta Velder. Seitdem blieb die Familie Nohl prägend für das Scheidter Viertel.

Das Haus, welches ursprünglich die Familie Nohl bewohnte, ist wohl das älteste und wurde nach Fertigstellung der Zeithstasse von Daniel Müllenbach übernommen. Daniel Müllenbach kam aus Volberg/Hoffnungsthal. Er liess das alte Haus abreissen und errichtete einen neuen stattlichen Bau. Er hatte bereits 1868 an der Grenze zu Drabenderhöhe eine Gastwirtschaft mit dem damit wie üblich verbundenen Lebensmittel- und Textilgeschäft. Er starb früh im Alter von 50 Jahren im Jahre 1881. Seine Witwe Henriette führte das Geschäft fort. Der Gasthof Müllenbach sei in „Hotel“ gewesen, ein sehr schönes gepflegtes Haus, an beiden Seiten der Haustreppe eine Terrasse mit Lorbeerbäumen und vielen Blumen. Der älteste Sohn Otto Müllenbach (geboren 1868) hielt Pferde und Kühe und kaufte in Bergneustadt eine alte Scheune, um sie neben dem zu klein gewordenen Pferdestall aufzurichten. Er besuchte die Kunden mit der Kutsche und fuhr auch damit zu Gemeinderatssitzungen nach Much. Er initiierte die Eingemeindung von Scheidt nach Drabenderhöhe. 1945 wurde das Haus bei einem Fliegerangriff total zerstört. Danach blieb das Gelände eine Schuttstelle bis der Heimatverein 1949 einen kleinen Dorfplatz mit Rasenfläche und zwei Bänken anlegte. 1959 verkaufte die Familie Müllenbach das Grundstück an die Familie Jäkel, die dort das jetztige Wohnhaus mit Geschäftslokal erbaute.

Gasthof Müllenbach 1907

Ende des 18. Jahrhunderts entstanden noch zwei weitere Gebäude. Das eine stand zwischen dem Gasthof Müllenbach und der Metzgerei Schick. Es brannte nach 1928 ab. Ernst Höhler (Sohn des Albrecht Höhlers) betrieb dort von 1923 bis zum Konkurs 1927 eine Bürstenfabrik. Das andere Haus wurde von der Familie Robert Nohl bewohnt und wurde um 2000 abgerissen. Hier fand man der mündlichen Überlieferung nach den steinernen Gasthaustisch. Vermutlich hat die Familie Nohl diesen in das neuere Gebäude versetzt.

In beiden Häusern lebten Anfang des 19. Jahrhunderts die Familien des Johann Peter Kaefer/Keffer, der mit Maria Elisabeth Nohl verheiratet war und des Meister Heinrich Strässer. 1832 heiratete Johannes Christian Thönes Maria Elisabeth Keffer. Nachdem die neue Trasse der Zeithstasse von Much nach Drabenderhöhe im Jahre 1862 angelegt wurde errichtete sein Sohn Friedrich Carl dort eine Schmiede. Das Gebäude existiert auch heute noch. Dort wurden zeitweise 12 Gesellen beschäftigt.

Die ursprüngliche Trasse der Zeithstrasse verlief von Much über die Bonrather Höhe und an Hückhausen vorbei, folgte dann der der jetzigen Strasse im Biesengarten bis zur Kirche. Hier kreuzte der Weg mit der Brüderstrasse. Von der Kirche aus folgte sie der heutigen Strassenführung bis Brächen. Von Brächen ging es dann weiter durch das Gelände der früheren Pension Eichenhof, durch den Wald zwischen Hipperich und Immerkopf bis oberhalb von Forst, durchquerte das Forstgebiet der Hohen Warte und stiess bei Ründeroth auf die Aggerfurt. 1854 wurde dann die neue Trasse von Drabenderhöhe nach Forst und später nach Kaltenbach, sowie 1862 die Chaussee von Drabenderhöhe nach Much fertiggestellt.

Kretsch Flurkarte 1828

Dabei entstanden auch noch weitere Häuser im Gebiet der Zeithstrasse auf dem Gelände der „Kretschwiese“. Direkt gegenüber lag das Haus der Familie Heinrich Nohl, in der nach dem Krieg eine Drogerie eingerichtet wurde. Das Haus wurde 1999 abgebrochen und durch einen Geschäftsneubau ersetzt. Daneben lebte die Familie des August Nohl. Dieses Haus steht noch und wurde im Jahre 1900 von Nümbrecht mit 32 Pferdefuhrwerken nach Drabenderhöhe versetzt. Es heisst, als August Nohls Vater bauen wollte, habe ihm sein Onkel darauf aufmerksam gemacht, dass in Nümbrecht ein Haus abgebrochen werden sollte, da die Familie nach Wuppertal verzogen sei. Ein anderer Onkel aus Bierenbach begutachtete den Zustand des Gebäudes für den Transport nach Drabenderhöhe. Das Zimmerwerk wurde aufgerichtet, die Fächer mit Weidegeflecht aufgefüllt und mit Lehm beworfen. Bei den „Beschlägereien“ wurde wohl ausgelassen getrunken, so dass man später dafür gerügt wurde. Seit 1920 betrieb dort die Familie Nohl eine Gärtnerei.

Schmiede Thönes

Am 18. Januar 1920 wurde die landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft gegründet. 48 Mitglieder nahmen an der Versammlung teil. 1927 entstand das erste eigene Lagerhaus, das 1942 erweitert wurde. Ein Jahr später folgt ein Anbau, der 1959 einem Neubau weichen musste. Direkt daneben entstand 1926 das Haus für den zweiten Drabenderhöher Lehrer. Beide Gebäude gehören heute der Firma Trömpert. Ende der 1920er Jahre wurde auf dem Gelände von Otto Müllenbach, wo sein Pferdestall stand, ein weiteres Gebäude errichtet, was ursprünglich von der Familie Clausmeier bewohnt wurde.

Zum Ortsteil Kretsch kann man auch noch den Gasthof Klein zuordnen, der bereits in der Flur „Im Schölersgarten“ liegt. 1860 errichtete Friedrich Klein einen Neubau. Der gelernte Schmied eröffnete am 01. Oktober 1860 den Gasthof und betrieb nebenbei ein Fuhrgeschäft. 1896 wurde das Haus für den Fremdenverkehr eingerichtet. Vorher war es eine reine Gastwirtschaft mit Essen und Übernachtung. Bis zu 60 Gäste konnten damals untergebracht werden. Der stattliche Bau wird durch die Eingänge von der Drabenderhöher Strasse und von der Zeitstrasse erschlossen. Die Eingänge sind trauf- und giebelseitig, jeweils in der Mittelachse. Die Fenster und Türen haben Stuckumrahmung. Die Putzfassaden sind durch Eckquaderungen, umlaufende Gurtgesimse über dem Erd- und Obergeschoss, ein stark verkropftes Traufgesims, Putzumrahmungen der Fenster, Medaillons im Giebel und im Drempel sowie halbkreisförmige Bögen mit Muschelornamenten über den Eingängen reich gegliedert. Die einzelnen Geschosse sind durch Gesimse gegeneinander abgegrenzt. Im Innern ist das konstruktive Baugefüge in der Fachwerkkonstruktion unter anderem im Grundriss erhalten. Nicht erhalten ist die baufeste Ausstattung wie Außentüren und Innentüren.

Gasthof Klein in den 1930er Jahren

Das Gasthaus wurde seit Beginn von der Familie Klein geführt. In zweiter Generation übernahm sein Sohn Friedrich den Betrieb. Friedrich Klein verstarb allerdings 1883 mit nur 38 Jahren. Der Bruder Christian Klein führte das Gasthaus in Heckhaus, welches von den Bergleuten im Bergwerk am Heckberg frequentiert wurde. Nach der Schliessung der Grube Silberkaule gab Christian Klein den Betrieb in Heckhaus auf und führte den Betrieb in Drabenderhöhe weiter. Christians Sohn Ernst Klein übernahm dann das Anwesen in Drabenderhöhe mit seiner Frau Emma, geborene Hüschemenger, weiter. Zielstrebig baute er das Haus aus und gab ihm ein stattliches Aussehen. Viele Sommerfrischler machten den Gasthof Klein zu ihrem Feriendomizil. Nachdem im Jahre 1924 eine zum Gasthaus gehörige Scheune abbrannte, wurde 1925 ein Saal angebaut. Im Schriftverkehr mit der Baubehörde in Much wird hierbei auch die Kirmes am 16. August 1925 erwähnt. 1929 wurde die Sockelmauer errichtet. Das Gebäude steht seit 1994 unter Denkmalschutz und wird heute unter anderem Betreiber als „Artffarm“ als Gasthaus weitergeführt.


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