Heimatverein Drabenderhöhe e.V.

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Evangelische Kirche

Der Ursprung der evangelischen Kirche reicht in das 12./13. Jahrhundert zurück und wird urkundlich das erste Mal 1353 erwähnt und war eine Filiale der Kirche zu Wiehl. Der Kirche zugeordnet war die homburgische Honschaft Drabenderhöhe mit den Orten Dahl, Drabenderhöhe, Immen, Hahn, der Hähner Mühle, Hillerscheid, Jennecken und Niederhof. Auch Orte aus dem benachbarten bergischen Ämtern Steinbach und Windeck, so Anfang, Brächen, Büddelhagen, Obermiebach, Scheidt und Verr hielten sich zur Kapelle auf der Drabenderhöhe. Im 14. Jahrhundert wurde die damalige Kapelle dem Johanniterorden in Marienhagen unterstellt. Zwischen 1555 und 1563 erfolgte die Einführung der Reformation und wurde mit dem Siegburger Vertrag von 1604 eine eigenständige, ab 1605 reformierte Kirchengemeinde. Die mittelalterlichen Wandmalereien wurden 1613 übertüncht und die Seitenaltäre entfernt. Nach einem Brand im Jahre 1696 blieb nur der gotische Chor, sowie der Turm erhalten. Durch den Kirchenbrand wurden 1698 die links der Wiehl gelegenen Weiershagenener Höfe, mit Ausnahme des Hofes und der Schule Reuschenbach, die Höfe Bergerhof, Kleebornen, In den Weiden, Zur Hardt und Zur Mühlen zugeordnet. Beim Wiederaufbau 1697 wurde der Turm um ein Geschoss erhöht und erhielt seinen heutigen barocken Helm. An den Turm schloss ein einfach gotisierendes Langhaus mit Strebepfeilern an. Das Langhaus zeigte einen zweifenstrigen Bau mit quergerichteten Satteldach und grosser, steiler barocker Haube über dem gotischen Chor. Die Kirche hatte ein ähnliche Bauweise, wie die der heutigen in Marienberghausen. Wegen Baufälligkeit wurde das Langhaus 1846 unter Beibehaltung des Turmes durch einen Normalentwurf Friedrich August Stülers ersetzt und 1847 fertiggestellt. 1878 wurde im Innenraum des Kirchenschiffs eine Sakristei, sowie eine neue Orgel eingebaut. Unter Pastor Karl Spandau wurde der Innenraum der Kirche 1910 nochmals neu gestaltet. Die eingebaute Sakristei verschwand, die Emporen, die bis zum Chor reichten, wurden verkürzt und die Apsis mit einer Holzwand abgetrennt. Die im Kirchenschiff stehenden Öfen verschwanden und es wurde eine Luftheizung eingebaut. Aus Platzmangel verschwand dann leider auch der der 1846/47 entstandene Taufstein in der nun in der Apsis gelegenen Sakristei.

Die Kirche im Jahre 1837, zeitgenössische Zeichnung von Wilhelm Klein

Die Kirche zwischen 1878 und 1910, © Kirchenarchiv Drabenderhöhe

Die Kirche zwischen 1910 und 1945, © Kirchenarchiv Drabenderhöhe

Die beiden Schlusssteine aus dem Gewölbe der 1846 abgebrochenen Kirche wurden 1945 nach Forst verbracht und im Haus Schumacher, ehemals Kauert am Aufgang zur Strasse auf Steinsockeln vermauert. In den 1980er Jahren wurden die beiden Steine nach Schloss Homburg gebracht und dort eingelagert. Mit Eröffnung der Heimatstube Drabenderhöhe-Siebenbürgen wurden die beiden Steine als Ausstellungsstück nach Drabenderhöhe rückgeführt.

Die Schlusssteine zeigen zum einen das Allianzwappen des Grafen Wilhelm Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Homburg (1649 bis 1698) und seiner Gemahlin Maria Magdalena (1641 bis 1701) und ist aus Lindlarer Sandstein gehauen. Der Durchmesser beträgt 52,5 cm. Zu Seiten des Wappens befindet sich die Jahreszahl 1697, am Rand die Umschrift WILH FRID GZSVWHZHVVN MARIA MAGD GZSVWGGZSVWGZHVN L VCL (Wilhelm Friedrich Graf zu Sayn und Wittgenstein, Herr zu Homburg, Vallendar und Neumagen, Maria Magdalena Gräfin zu Sayn und Wittgenstein, geborene Gräfin zu Sayn und Wittgenstein, Gräfin zu Hohenstein und..), zum anderen das Wappen des Grafen Carl Friedrich zu Sayn-Wittgenstein-Homburg (1698 bis 1723), ebenfalls aus Lindlarer Sandstein, im Durchmesser 38 cm. Am Rand befindet sich die Umschrift CARL FRIEDERIC GZSVWHZHVVN (Carl Friedrich Graf zu Sayn und Wittgenstein, Herr zu Homburg und Vallendar und Neumagen).

Schlussstein von Graf Wilhelm Friedrich, © Oberbergischer Kreis, Heimatbildarchiv

Im Jahre 1833 vereinigten sich die reformierten fünf homburgischen Kirchengemeinden mit den lutherischen aus den Kreisen Gummersbach und Waldbröl zur Aggersynode. Damit wurde Drabenderhöhe zu einer unierten Gemeinde. Da es sich um eine Verwaltungsunion handelte, behiehlt die Gemeinde den Bekenntnisstand einer reformierten Kirche. Erkennbar ist dies an der Verwendung des Heidelberger Katechismus.

Im Zweiten Weltkrieg brannten der Saalbau und der Turm aus. Die Wiederherstellung und Einweihung des Saales erfolgte 1949, die Errichtung des Turmhelmes in alter Form wurde 1953 fertiggestellt. 1958 wurde auch die rechts der Wiehl liegenden Weiershagenener Höfe, Ohl, Zur Ley und Steeg, sowie Reuschenbach der Kirchengemeinde Drabenderhöhe angegliedert. Durch den Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg gehören auch die evangelischen Einwohner der sonst zur katholischen Gemeinde Much zugeordneten Orte Höllerhof, Hündekausen, Oberbusch, Oberdorf, Leuscherath, Niederbech, Niedermiebach und Wellerscheid zur Kirchengemeinde.

Der fünfgeschossige romanische Westturm ist aus der Apsis gedreht und durch einen kleinen Verbindungsbau an das Langhaus angeschlossen. Der schmucklose Turm mit achtseitiger, geschweiften Haube mit geschlossener Laterne besteht aus geschlämmten, lagerhaften Bruchsteinmauerwerk mit ehemaliger westlicher Rundbogentür (heute zu einem Fenster rückgebaut) und einfach rundbogigen Schallöffnungen im vierten und 1697 aufgesetztem fünften Geschoss. Auf der Nordseite befindet sich eine durch ein Gesimsband abgesetzte Mauerverstärkung in halber Wandbreite bis in Höhe des zweiten Geschosses.

Der aus verputzten Hausteinquadern errichtete klassizistische Saalbau ist durch eine kleine Vorhalle mit dem Turm verbunden und mit zwei rundbogigen Fensterreihen in vier Achsen für Emporeneinbauten angelegt. An der östlichen Giebelwand ist eine halbkreisförmige Apis mit drei jetzt blinden Fensternischen eingezogen.

Die noch 1900 existierende 2,30 m breite Eingangshalle des Turmes war von einer jetzt nicht mehr vorhandenen schmalen Tonne überwölbt. Der rundbogige Zugang zu den oberen Geschossen liegt darüber in der Ostwand des Turmes und war ehemals vom Kirchenschiff aus erreichbar, heute über eine moderne Holztreppe in der Vorhalle. Im flachgedeckten Saal findet sich eine Westempore, an den Seitenwänden zwischen den Fensterreihen ein Mauerrücksprung als Auflager für die wieder in den 1970er Jahren eingefügten Seitenemporen. Die früher als Sakristei abgetrennte Apsis ist jetzt geöffnet. Die heutige Gestaltung des Kircheninneren oblag dem Kunst- und Kirchmaler Walter Putfarken aus Düsseldorf unter der Leitung des Landeskonservators Dr. Borchers. Man richtete sich dabei nach Fotoaufnahmen, die das Kircheinnere vor ihrer Zerstörung zeigten. Die Renovierung begann 1974 und wurde 1978 abgeschlossen. Im oberen Teil der Apsis befindet sich die grosse monumentale Wandmalerei „Christus als Weltenrichter“, darunter der von Kunstschreiner Helmut Penz gestaltete Altar und die ebenfalls von ihm gestaltete Kanzel. Die Decke der Kirche ist das beherrschende Thema, dem sich alle Ausmahlungen und Gestaltungen unterzuordnen haben. Die Balkendecke begünstigt eine strenge Ornamentierung und geometrische Aufteilung der malerischen Gestaltung. Die vorherrschenden Farben der Kirche sind das Weiss der Wände, das helle Blaugrau des Kirchengestühls und der Emporen, sowie das leuchtende Rot und Blau der üppigen Deckenmalerei. Altar und Kanzel werden durch ein glänzendes Gold hervorgehoben. Die Kirche ist ein Denkmal seit 1982.

Innenraum der Kirche 1955

Innenraum der Kirche 1955

Grabplatten an der evangelischen Kirche

Drei Grabplatten zu den Seiten des Eingangs in die Mauer eingelassen, 18. Jhd.

Die Grabplatten gehörten zu Gräbern der Eheleute Jakobus Wülfing und Anna Getrud von Recklinghausen, die 1697 großzügig zum Wiederaufbau der Kirche 100 Reichsthaler spendeten.

Wülfing war Kaufmann und Grosshändler und war Pächter der Leuscherather Mühle, lebte in Unterkaltenbach. Die Leuscherather Mühle kaufte er 1694. Laut einem Eintrag im Drabenderhöher Kirchenbuch ist er erschlagen worden. Die Familie von Recklinghausen stammte ursprünglich aus Eschweiler. Der Vater von Anna Gertrud zog ins Oberbergische, war Bergvogt (wahrscheinlich in Kaltenbach) und lebte in Braunswerth (heute Engelskirchen, Fabrikgelände Ermen und Engels). Anna Gertrud wurde auf dem Chor vor dem Tisch beerdigt.

Die Grabplatten sind aus Kalkstein, H. 204 cm, B. 109 cm, 1706 (Wüfling), bzw. 1704 (von Recklinghausen). Nur geringe Unterschiede in der Form. Im oberen Teil befinden sich die Wappen der beiden Familien im unteren Teil die von Rankenwerk mit Sanduhr und Totenschädel umgebenen Schriftfelder. Die heute noch kaum leserlichen Inschriften in lateinischer Sprache lauten:

Grabplatte I: Welche Frau ruht an dieser Stelle? Ist es eine einflußreiche Frau von Stande? Sie ist als Kind vom Elternstamm von Recklinghausen geboren worden. Wer war der Gatte? Jener allbekannte Großhandelsmann Peter Jakob Wülfing, schon betrübt, da er verwitwet ist. Wen pflegte sie als Jungfrau? Den Vater. Was im vorgeschrittenen Alter? Die Tugend, den Glauben, die Gerechtigkeit, zumal aber sie Gott verehrte. An welcher Krankheit starb sie? War es durch die Geburt, oder war es gleichsam aus Herzeleid? Sie war erfüllt von unerschütterlicher Hoffnung und unerschütterlichem Vertrauen. So war ihr weltliches Leben; wie wird das andere sein? Von wo steht sie auf, wann wird sie sich aud dem Grabe erheben? Wenn die Posaune Gottes erschallt. Anna Getrud von Recklinghausen, geb. 21.9.1662 - gest. 3.3.1704

Grabplatte 2 Die Angehörigen des sehr vornehmen und ehrenvollen Mannes, des sehr weisen Herrn Jakob Wülfing in Leuscherath, eines Großhändlers von sehr gutem Ruf: Ich mußte sterben, auch wenn die Frömmigkeit, die Liebe, die Tugend und der Glaube es verbieten würden. Er wäre niemals gestorben, da er der Tempel der Frömmigkeit und die Kapelle des Glaubens war. Aber dennoch hat der Tod Wülfing nach göttlichem Gesetzt getötet und an die Seite seiner Frau geworfen. Von dem Todestage an werden die Anverwandten, der Schwiegervater, die geborenen Töchter und der Sohn betrübt sein. Wehe, der Tod bedrängt uns! Von da ab aber ist ein ernsthafter Grund neuer Trauer ins Haus hineingetragen worden. Wozu beweine ich laut die Gewalt des Todes? Es geziemt sich den Willen Gottes mit höchstem Lobe anzuerkennen. Wülfing ist nicht gestorben, sondern er steht als Glückseliger in der göttlichen Freude, und es geschieht nicht, daß er sterben wird. Geboren 1662 - gestorben 1706

Historische Aufnahme der Grabplatten, © Oberbergischer Kreis, Heimatbildarchiv

Die dritte Platte ist aus Sandstein und befindet sich mittlerweile in der Kirche, H. 74 cm, B 57 cm. 18 Jhd. Sichtbar ist nur die Rückseite der links neben dem Eingang der Kirche befestigten Platte mit der Inschrift: „ HOS CC 6. Kompt wir wollen wider zum Herren dan er hatt uns zerissen er wirt uns auch heillen.“

Der Grenzstein von 1604

Der Grenzstein stammt aus dem Jahre 1604, Trachyt, H. 53 cm, B. 29 cm, T. 17 cm. Vorderseite mit bergischem Löwen, Rückseite mit dem Wittgensteinischen Wappen und der Zahl I. Der Stein gehört zu den 24 Grenzsteinen, die zur Abgrenzung der Herrschaft Homburg nach dem Siegburger Vergleich gesetzt wurden. Bei dem Grenzstein handelt es sich um eine Kopie. Am 27.06.1995 wurde im Beisein des damaligen Landrates Herbert Heidmann ein Abguss aufgestellt. Das Original wurde nach Schloss Homburg überführt. Denkmal seit 1982

Die Kopie von 1995

Mit dem Siegburger Vergleich wurde Drabenderhöhe endgültig zum Grenzort zwischen dem Herzogtum Berg und der Reichsgrafschaft Homburg. Das Herzogtum Berg war verwaltungstechnisch in Ämter unterteilt. Dies führte dazu, dass der Ortsteil Scheidt im Amt Windeck und Anfang im Amt Steinbach lag. Mit dem Reichsdeputationsausschuss in Regensburg 1806 wurden die alten Verwaltungseinheiten aufgelöst und dem Herzogtum Berg angeschlossen. Es entstanden Kreis Uckerath/später Siegkreis (Gemeinde Much), Kreis Wipperfürth (Gemeinde Engelskirchen) und Kreis Homburg/später Gummersbach (Gemeinde Drabenderhöhe). Die Grenze wurde erst im Jahre 1932 auf Drängen der Bewohner von Scheidt zugunsten der Gemeinde Drabenderhöhe um den Ort verlegt.

Das Original auf Schloss Homburg, Provenienz: Museum und Forum Schloss Homburg Foto: Oliver Kolken

Der Grenzstein 1952, © Oberbergischer Kreis, Heimatbildarchiv

1952 erhielt der historische Grenzstein während der Verlegung der Kirchenmauer seinen alten Platz zurück. Dabei wurde eine Urkunde eingemauert, die folgenden Text enthielt: „Durch den Siegburger Vergleich vom 12. Juni 1604 und seine Ausführungsbestimmungen vom 19. November 1604 wurden die jahrzehntelangen Grenzstreitigkeiten zwischen dem Herzogtum Berg und der Herrschaft Homburg beendet. Am 31. März 1605 setzte die bergisch-wittgensteinische Kommission im Beisein einer Anzahl junger und alter beiderseitigen Untertanen den Grenzstein Nr. 1 vor der Kirche in Drabenderhöhe an der Wegekreuzung Brächen-Wellerscheid und Heckberg-Hillershagen (heute Hillerscheid). Die insgesamt 24 Grenzsteine aus Drachenfelstrachyt vom Kölner Meister Gerhard Schewen, Bildhauer und Bürger zu Köln, für zwei Reichsthaler das Stück gefertigt, legten die Grenze ab Drabenderhöhe (Nr. 1) über Brächen (Nr. 2), Niederseßmar (Nr. 3) Dreiherrenstein genannt, bis nach Ziegenhardt an der Waldbröl (Nr. 24) fest. Seit der Eingemeindung der Orte Anfang (aus Gemeinde Engelskirchen) und Scheidt (aus Gemeinde Much) nach Gemeinde Drabenderhöhe im Jahre 1932 ist der Stein Nr. 1 kein Grenzstein mehr. Bei der Erbreiterung der Straßenkreuzung vor dem letzten Weltkrieg wurde er zunächst entfernt, wegen seiner historischen Bedeutung aber erhält er heute seinen neuen Platz, nahe seinem ursprünglichen Standorte. Die Grenze zwischen den Steinen Nr. 1 bis 24 ist bis heute gültig geblieben: bis 1806 trennte sie Herrschaften und Amt Windeck, bis 1815 Kantone, bis 1819 bzw. 1825 Kreise, bis 1932 teils Gemeinden, teils Kreise, seit 1932 Gemeinden. Drabenderhöhe, Montag, den 07. Juli 1952. Namens der Kommunalgemeinde Seelbach, Gemeindedirektor, Namens der evangelischen Kirchengemeinde Adolf Müller, Pfarrer, Namens des Bergischen Geschichtsvereins Fritz Rau sen., Windhagen, Namens der Bauhandwerker Ewald Heppner.“

Der Grenzstein mit der Nummer II steht im sogenannten Lichtenforst in der Flur Dähler Heide im Ortsteil Brächen.

Der Kirchturmhahn

Auf Schloss Homburg befindet sich einer der beiden alten erhaltenen Turmhähne der Kirche zu Drabenderhöhe. Der Grund, warum es auf den Kirchen Wetterhähne gibt, ist wohl eine Bibelstelle, in der Jesus dem Apostel Petrus prophezeit: „Ehe der Hahn krähen wird, wirst Du mich dreimal verleugnen“. Der Hahn symbolisierte eine Mahnung, nachdem sich der christliche Mensch nicht nach dem Wind drehen sollte, sondern wie Petrus dem christlichen Glauben treu folgen möge. Kirchturmhähne sind auf dem europäischen Festland seit dem Mittelalter verbreitet. Noch heute dienen Wetterhähne als Dachschmuck, werden aber auch der religiösen Bedeutung halber auf Kirchtürmen angebracht.

Der Kirchturmhahn von 1696, Provenienz: Museum und Forum Schloss Homburg Foto: Oliver Kolken

Der im Schloss ausgesellte Hahn ist im Jahre 1696 gefertigt worden, da die Kirche nach einem Dorfbrand im selben Jahr bis auf den Chor und den Turm zerstört wurde. Mit dem Neubau erhielt der Turm einen weiteres Geschoss, sowie die barocke Haube des Dachhelmes.

Anfang des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche einen neuen Wetterhahn. Nach dem ersten Weltkrieg waren die ersten Besatzer Kanadier und kontrollierten den Ortsteil Anfang. Der Rest des Dorfes (Scheidt und Drabenderhöhe) blieben unbesetzt. Sie nahmen Quartier im Gasthof Kalscheuer (heute Lang). Im Wiesengelände „in den Brüchen“ hatten die im Volksmund als Engländer bezeichneten Soldaten einen Maschinengewehrschiessstand. Da die Kirche in Drabenderhöhe nicht die englische westeuropäische Uhrzeit anzeigte, zerstörten die Briten bei Schußübungen den Kirchturmhahn.

Kirchturmhahn in der Heimatstube

Der Kirchturmhahn als Inventar von Schloss Homburg, © Oberbergischer Kreis, Heimatbildarchiv

Ein Dokument von einem unbekannten Verfasser, welches Schloss Homburg besitzt, beschreibt:

„Ein Opfer englischer Wilkür! Der Kirchturmhahn von Drabenderhöhe, einstens stolz thronend im sonnigen Äther, war in der englischen Besatzungszeit des Jahres 1919 die Zielscheibe gröbster Willkür. Die in den Reihen angetretenen Fremdlinge verbuchten es als besondere Ehre dem, der den Wetterprophet, der über 100 Jahre zählte, mit einem Schuss erledigen würde. Das deutsche Sprichwort: Quäle nie ein Tier zum Scherz; denn es fühlt wie du den Schmerz! störte sie nicht. Bald war ihm ein Bein amputiert, und als Kriegsinvalide, stark verwundet, verlor er später in folge eines Sturmes auch noch den hinteren Rumpfteil. Als Bild des Jammers thronte der Arme hoch oben auf der Spitze, nicht mehr fähig, seiner Pflicht zu genügen, bis er unter Pastor Müllers Regie im Jahre 1930 pensioniert wurde. Nun darf er im Homburger Heimatmuseum seine alten Tage fristen und allen Besuchern von der Rücksichtslosigkeit der engelischen Besatzung am Dreikreiseneck erzählen. In inniger Dankbarkeit bleit er durch Eigentums-Vorbehalt mit seiner alten Kirchengemeinde Drabenderhöhe verbunden.“

Der 1953 errichtete Wetterhahn

Seit dem Jahre 1930 befand sich der Hahn dann auf Schloss Homburg. Mit Eröffnung der Heimatstube Drabenderhöhe-Siebenbürgen 1989 gelangte der durchlöcherte Turmhahn wieder nach Drabenderhöhe und ist dort als Exponat der Drabenderhöher Geschichte zu bestaunen.

Der nach 1930 installierte Hahn war auch nicht sehr lange von Bestand. Beim Bombenangriff am 21. März 1945 brannte die Kirche aus und der Turm verlor seinen Dachhelm. Erst 1953 wurde die Haube mit dem heutigen Kirchturmhahn wieder hergestellt.

Die Kirchenglocken

Bis in die Mitte des 19. Jahrhundert gab es zwei Glocken im Kirchturm. Die kleine Glocke von 1509 hatte die Aufschrift „Maria heischen ich, all bois weder verdrieven ich. Johann van Andernach gois mich. Anno MCVIX'“. Die größere Glocke wurde laut der Kirchenchronik von einem Claudius aus Bonn gegossen und zierte den Namen des damaligen Pastors Christian Klee, der von 1628 bis zu seinem Tode 1668 in Drabenderhöhe wirkte. Ein bekannter Glockengießer zu dieser Zeit war Claudius Lamiral aus Bonn, der im Kölner Raum zahlreiche Glocken in der Zeit von 1634 bis 1667 anfertigte. In dieser Zeit muss auch die Drabenderhöher Glocke gegossen worden sein. Im Jahre 1824 wurde sie durch einen Riß unbrauchbar und umgegossen. Sie hatte folgende Inschrift: „Gegossen zu Gummersbach im Jahre 1824 durch Johann Rincker und Söhne - von Leun und Hof - Sim. Da, W. Moeller, Bürgermeister, J. W. Schoeler, Pfarrer und J. H. Dreibholz, Kirchmeister waren.“

Die aus dem Jahre 1824 stammende größere Glocke war 1855 gesprungen. Der enstandene Riß vergrößerte sich im folgenden Jahr, so dass sich die Gemeinde entschloss, drei Gußstahlglocken aus der Gußstahlfabrik des Bochumer Vereins anzuschaffen. Die kleinere und ältere Glocke war ebenfalls nicht mehr brauchbar, weil die Bügel der Krone abgeschliffen waren, obwohl laut der Kirchenchronik „ihr Ton noch immer von ausgezeichneter Güte und Schönheit war“.

Am 08. Februar 1857 läuteten die alten Glocken zum letzten Mal. Die neuen Glocken riefen am 01. März 1857 zum ersten Mal zum Gottesdienst. Die Kirchenchronik berichtet weiter: „Dieselben wiegen, die größte mit der Inschrift „Kommet, denn es ist alles bereit!“ 2090 Pfund, die zweite 985 Pfund, die kleinste 654 Pfund. Sie haben die Töne E, Gis, H und kosteten mit Achsen, Zapfen, Lager, Klöppel, Schwengel samt und sonders 871 Thaler, 24 Silbergroschen. Um sie aufhängen zu können, wurde unter dem alten Glockenstuhl, der die früheren beiden getragen, ein neuer Glockenstuhl angebracht. Auch wurden in diesem Jahr sämtliche Turmschallöcher mit Jalousien versehen und der Turm von außen mit Zement verputzt. Zum Anbringen der Glocken wurde der Gemeinde ein Kapital geschenkt von 50 Thalern unter der Bedingung, daß von den Zinsen derselben jedem Brautpaar der Gemeinde bei der Trauung ein Exemplar der Heiligen Schrift überreicht werde, zum Zeugnis, daß auf den von diesem Wort zeugt, jedes christliche Hauswesen auferbaut werden soll.“

Die Kirchenglocken aus dem Jahre 1857, verschenkt in den 1930er Jahren

Über das Schicksal der drei Glocken im Ersten Weltkrieg liegen keine Informationen vor. Vermutlich blieben sich vor der Einschmelzung verschont, da sie nicht aus Bronze hergestellt wurden und Glocken, die aus der Zeit vor 1860 stammten nicht abtransportiert wurden.

Unter Pfarrer Friedrich Liederwald (12. Juli 1925 bis 13. Oktober 1930) wurden neue Glocken angeschafft und erhielten unter Pastor Adolf Müller (30. November 1930 bis 10. Mai 1953) in den 1930er Jahren Vorrichtungen, um sie leichter läuten zu können. Die alten Glocken wurden verschenkt. Die große Glocke erhielt der Glockenturm auf dem Friedhof in Weiershagen, der mit dem Ehrenmal am 18. November 1936 eingeweiht wurde, die mittlere Glocke wurde für den Friedhof in Bladersbach abgegeben und die dritte wurde an die landwirtschaftliche Schule in Vollmerhausen verschenkt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Stahlglocken nicht zum Einschmelzen eingezogen, um diese für die Rüstungsindustrie zu verwenden. Doch zerstörte der verheerende Angriff am 21. März 1945 das Kirchenschiff, sowie den Turmhelm. Im Februar 1947 wird eine Glocke zunächst provisorisch aufgehängt. Die Wiedereinweihung der Kirche erfolgte am 22. Dezember 1949 durch den Superintendenten Fach. An Weihnachten 1950 befanden sich dann alle drei Glocken wieder im Turm. Den Glockenstuhl zimmerte Meister Dreibholz, die Montage führe die Firma Rincker durch. Erst drei Jahre später wurde der Turmhelm fertiggestellt, dessen Richtfest am 01. Mai mit einem Gottesdienst gefeiert wurde.


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